Die Solitäre






Auf Âzârâïs existieren fünf Singende, die als Solitäre bezeichnet werden. Davon ist einer (die Almal) auch als solcher allgemein bekannt, über einen (den Wald von Jis) wissen zumindest seine Helfer Bescheid, und einer ist wenigstens in der Legende noch erinnerlich (der Goldene Drache). Die beiden anderen sind seit dem vorletzten (dem zweiten) Großen Unheil nicht mehr in Erscheinung getreten.
Falls die SL es wünscht, können sie alle irgendwann aus der Versenkung auftauchen, aber bisher hält sich selbst Mer an die Empfehlung, übermächtige NSCs nur mit äußerster Vorsicht ins Spiel zu bringen. Es handelt sich hierbei auch keinesfalls um Götter, auch wenn sie über gottähnliche Kräfte verfügen, sondern eher um elementare "Mächte", die aufgrund ihres Alters, ihrer Größe und der angesammelten Erfahrung über beachtliche Macht verfügen.
Alle Solitäre sind in der Lage, einzelne Körperteile von sich zu "trennen", die dann wie eigenständige Lebewesen wirken, sich (falls möglich) fortbewegen und agieren können. Ein Teil hat dann die meisten Grundfähigkeiten eines "normalen" Singenden des 7. Ranges, jeder weitere Teil erhöht die Fähigkeiten um einen Rang. Die Körperteile sind trotz der räumlichen Trennung dennoch an den Solitär gebunden, der alles erfährt und kontrolliert.

Die Almal

Sie ist der einzige Solitär, der immer noch freiwillig und gern mit anderen Singenden kommuniziert. Dieses Wesen verkörpert die Elementarmacht des Wassers, auch wenn sie (ebenso wie die anderen Soltäre) erheblich mehr ist als Wasser.
Die Almal wird nur deswegen als weiblich bezeichnet, weil auch auf Âzârâïs das Leben im Ozean entstanden ist. Allerdings weiß gerade die Almal, daß Wasser allein nie ausreicht, um Leben zu schaffen. Aber sie neigt nicht zu Belehrungen.
Im Gegensatz zu den anderen Solitären hat sich die Almal aus allen Auseinandersetzungen von Singenden herausgehalten. Selbst wenn ihre eigene Existenz bedroht war, hat sie sich eher in die Tiefsee zurückgezogen und abgewartet, "bis sich die Wogen glätteten". Es sind nur drei Vorfälle (mehr oder weniger) bekannt, bei denen die Almal sich gewehrt hat. (Einer davon ist der Angriff der Küstenspringerarmee auf die Graue Küste - siehe Vorgeschichte.)
Vielleicht könnte man sie deswegen als die weiseste Singende auf Âzârâïs bezeichnen, aber die Almalil wissen es besser: Die Almal betrachtet die Welt wie durch eine Glasscheibe. Oder besser, wie ein dickes, spannendes Buch, das zwar maßlos interessant ist, aber das man jederzeit aus der Hand legen kann. Ihr Interesse an den anderen Singenden (das gilt auch für die anderen Solitäre) ist rein intellektuell. Ob die Almal Emotionen - außer ihrer immensen Neugier besitzt - ist fraglich.
Körperteile: Die sogenannten Stränge, grau-grün, durchscheinend, amöbenartig. Die Stränge verständigen sich mit anderen Singenden, indem sie silbrige, veränderliche Muster in ihrem Innern bilden, die sich in hör- und vor allem spürbare Schwingungen übertragen. Einige Singende (und alle Almalil) können diese Muster direkt lesen.
Fähigkeiten und Beschränkungen: Die Almal und ihre Stränge sind (selbstverständlich) wassergebunden. Auf feuchtem Untergrund kann sich ein einzelner Strang auch über Land bewegen, aber er trocknet dabei sehr schnell aus. Die Almal bevorzugt Salzwasser, ist aber auch schon in Flüssen und Seen gesehen worden.
Die Stränge sind leicht zu vernichten und kämpfen nicht, neigen aber im schlimmsten Notfall zu Geistesbeeinflussung. Wenn ein Singender mehr als drei Stränge absichtlich vernichtet, redet die Almal nie wieder mit ihm oder seinen Begleitern.
Die Almal ist immer wieder für außergewöhnliche Auskünfte gut, am liebsten im Austausch gegen andere Informationen, vor allem aus Gegenden, die sie selbst nicht erreichen kann. Auch scheinbar völlig nutzlose Gegenstände kauft sie gern und bezahlt immer mit 1W20 schwarzen Perlen. Dabei ist der wirkliche Preis der Ware für sie unwichtig; sie hat zwar das Prinzip eines Austauschs verstanden, aber nicht das Prinzip des Wertes.

Der Goldene Drache

Dieser Solitär hat sich zwischen dem zweiten und dem dritten Unheil zurückgezogen. Wie die Zsakiisz-Legenden noch berichten, ist er die Macht des Feuers. Allerdings ist die Verkörperung als Lavastrom viel zu einfach.
Der Goldene Drache hatte nie eine wirkliche materielle Form, benutzte allerdings alles, was heiß war, als Transportmittel (und verstärkte damit die Hitze noch). Nach allem, was heute noch bekannt ist, war er sehr verspielt - und hat so unabsichtlich einige große Katastrophen ausgelöst.
Warum der Goldene Drache sich zur Ruhe begeben hat, nachdem er den winzigen Flugechsen, die sich in der Nähe einiger Vulkane entwickelt hatten, eine Art Sprache begebracht hatte, weiß niemand.
Körperteile: Keine aktiven bekannt.

Der Wald von Jis (erweiterte Fassung)

Auch wenn die heutigen Singenden das nicht wissen (nicht einmal die Sprecher von Jis), ist der Wald von Jis das älteste intelligente Lebewesen auf Âzârâïs. Die anderen Solitäre waren zwar schon machtvoll, bevor sie singen (in dem weiten Sinne, der im Vorwort angedeutet wurde) konnten, aber der Schweigende Wald konnte als erster bewußt singen.
Schon vor dem ersten Großen Unheil bedeckte der Wald die meisten Landmassen, die damals noch viel größer waren. Jis war ein Kind, daß sich zwar nicht fortbewegen (die Wandelpflanzen sind erst viel später entstanden), aber seine Umwelt beeinflussen konnte. Er "spielte" mit den anderen Solitären, den einzigen Wesen, die er interessant fand (und vielleicht haben sie nur deswegen Bewußtsein gewonnen).
Als die ersten Singenden auftauchten, betrachtete Jis sie mit vorsichtiger Neugier. Leider bemerkten nur wenige, daß es sich bei dem Wald um ein denkendes und fühlendes Wesen handelte und so kam es zu bösen Auseinandersetzungen. Währenddessen lernte Jis, daß er dem Fällen oder Abbrennen von Bäumen nicht materiell, dafür aber klanglich ausweichen konnte. So schuf er sich im Laufe von Jahrtausenden ein "alter ego" im Klangraum. Diese Fähigkeit haben übrigens (rein prinzipiell und rudimentär - darauf beruhen die Rufe von Geistern oder Klangechos) alle Singenden, aber niemand außer Jis kann den Weg auch umgekehrt beschreiten: Aus dem Klangraum heraus wieder materiellen Körper gewinnen. Und niemand außer Jis kann sich im Klangraum weiterentwickeln.
Jis existiert also gewissermaßen zweimal und ist in der Lage, die eine Seite mit Hilfe der anderen zu rekonstruieren oder sich im Notfall auch auf eine der Seiten zurückzuziehen.
Die Mißverständnisse mit den anderen Singenden nahmen im Laufe der Zeit nicht ab, zumal auch der Wald (immer noch nicht) versteht, daß es sich bei den meisten Kreaturen, die ihm begegnen, um einzelne Individuen handelt. In vielen Fällen zog Jis sich zurück und überließ den gewöhnlichen Pflanzen das Feld.
In den letzten Jahrhunderten vor dem letzten Großen Unheil kam noch dazu, daß die L'renes (eines der kriegerischsten Versunkenen Völker) feststellten, daß das Holz des Waldes sich hervorragend eignet, um Klangwaffen herzustellen. Das führte zu einem langanhaltenden Krieg, der erst durch das letzte Große Unheil beendet wurde, das nicht nur die L'renes, sondern auch den gesamten materiellen Teil des Waldes auslöschte.
Nach dem GU versuchte Jis, wieder auf Âzârâïs Fuß zu fassen, aber bis auf einen kleinen Fleck Erde auf der Insel Ceren'n war ein spezielles Mineral, daß die Bäume benötigen, überall zersetzt worden.
Inzwischen hat Jis den gesamten Platz, der ihm noch zur Verfügung steht, überwuchert. Er weiß, daß in Der Tiefe immer noch die Überreste von Versunkenen Völkern zu finden sind und daß gerade auf Ceren'n sehr viele Einstiege zu finden sind.
Jis ist inzwischen so verbittert, daß er nur wenige Singende in seinem Inneren duldet. Niemand sollte es wagen, selbst ein abgefallenes Blatt an sich zu nehmen.
Nur die Sprecher von Jis, die ihre Festung in der kleinen Stadt Migith haben (die wiederum nur existiert, um die Festung zu erhalten und zu versorgen), dürfen das Holz, das der Wald freiwillig hergibt, schlagen und verarbeiten. Ab und zu gibt Jis auch ein paar (meist kryptische) Informationen aus dem Klangraum weiter. Im Gegenzug verteidigen die Sprecher der Wald mit ihrem Leben, suchen nach alten Artefakten aus Jis-Holz, um sie zurückzubringen und unterhalten den Wald, wenn er es wünscht.
Körperteile: Die Bäume von Jis. Die Höhe im Inneren des Waldes beträgt bis zu 60 m (einige sogar doppelt so hoch), zum Rand hin sind sie kleiner. Die Rinde der Bäume ist glänzend dunkelblau, sehr glatt und nicht zu besteigen. Im Gegensatz zu den "moderneren" Pflanzen ist das Laub von Jis sibrig-grau.
Fähigkeiten und Beschränkungen: Die Bäume sind stationär, auch wenn man immer das Gefühl hat, daß sie hinter einem zusammenrücken. Der Wald strahlt für alle Ringangehörigen, die Klänge analysieren können, eine kalte Feindseligkeit aus.
Jede Beschädigung eines Baumes, ja sogar das Aufnahmen eines abgebrochenen Zweiges wird als Angriff gewertet.
In diesem Falle reagieren die Bäume sofort: Der Angreifer und alle Wesen in Sichtweite werden von Blättern umhüllt, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen, und dann, etwas langsamer, von Ästen und Wurzeln durchwuchert. Alle eventuell versuchten Klangäußerungen werden einfach unterdrückt, indem der Wald die passende Gegenschwingung erzeugt.
Die Bäume sind sehr feuerempfindlich und das Holz läßt sich mit einer scharfen Axt leicht bearbeiten. Aber niemand, der es seit ein paar Tausend Jahren ausprobiert hat, hat es überlebt.

Fagrut

Erde
Körperteile: Die Rezeki, scheinbar eigenständige Felswesen, die sich nur etwa alle hundert Jahre bewegen. Kein Singender weiß mehr, daß die Rezeki, die sich z.T. sogar beherrschen lassen, Teile von Fagrut sind, höchstens die Almal ahnt etwas, wenn sie davon gehört hat. Die Rezeki haben scheinbar keine Verbindung mehr zu Fagrut.
Fähigkeiten und Beschränkungen: An sich sind die Rezeki harmlos und achten nicht auf Singende. Wenn sie sich allerdings bewegen, überrollen sie alles, was im Weg ist, mit einem Gewicht, daß zehnmal größer ist als das von Felsen gleicher Größe. Es gibt kaum etwas, womit man einem Rezeki schaden könnte; falls es jedoch einmal jemanden geben sollte, der in der Lage ist, die dicke Haut zu durchdringen, sondern sie eine dicke schwarze Flüssigkeit ab und sterben. Gegen extrem heißes Feuer sind Rezeki empfindlich - sobald ihre Oberfläche rotglühend wird, ergreifen sie die Flucht.
Mit einem Rhythmuswurf von 60 kann man einen Rezeki aus der Ruhe bringen und ihn dazu bringen, in eine bestimmte Richtung zu rollen.

Rinnn Hi

Vor dem 2. GU hat Rinn Hi, der Luft-Solitär, jeden Aufstieg von anderen Singenden über 1600 m Höhe verhindert, sofern es ihm möglich war - sei es durch Entzug der Atemluft oder einfach durch das Herunterwerfen von allzu Neugierigen von einen Berg.
Rinnn Hi war schon immer der scheueste (wenn auch nicht gerade harmloseste) der Solitäre und hatte seinen "Schutzkreis" sehr eng gezogen. Jedes Eindringen in seine Domäne verunsicherte ihn immens (und Fagrut überschritt sie einfach aufgrund der Berghöhe auf Â. unabsichtlich ziemlich oft). Nach dem 2. GU tauchten immer mehr flugfähige Rassen auf und Rinnn Hi zog sich resigniert an einen bisher unbekannten Ort zurück.
Körperteile: Es ist nur noch ein aktiver Körperteil von Rinnn Hi bekannt, der Wind im Kugelgebirge in der Ta'ag. Die Shajog, die dort ihre Stöcke haben, haben ihm einen Namen gegeben, der aber für andere nicht aussprechlich ist (eine Sequenz Flügelknistern). Übersetzt bedeutet er so viel wie "Rastloser".
Fähigkeiten und Beschränkungen: Sind nicht bekannt. Auch der Grund, weshalb der Rastlose jeden Stein in seiner Reichweite zu einer Kugel formt, ist unklar. Er scheint an das Gebirge gebunden zu sein und taucht nur noch sehr selten auf - immer dann wenn ein neuer Stein da ist.
Interessant ist vielleicht noch, daß der Rastlose nur Steine schleift, auf denen keine sinnvolle Beschriftung zu finden ist. Deshalb kann man auch im Kugelgebirge noch ein paar alte Stelen mit Inschriften finden. Je weiter deren Zerstörung durch die Zeit o.ä. jedoch voranschreitet, desto eher fallen sie dem Rastlosen zum Opfer.



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